Home DIY DIY Kakebo 2020: ein minimalistisches japanisches Haushaltsbuch zum Selbermachen

DIY Kakebo 2020: ein minimalistisches japanisches Haushaltsbuch zum Selbermachen

by Undine Almani
Detail selbst gezeichnetes Kakebo Wochenansicht

Haushaltsbücher sind schon irgendwie altbacken. Klingt ja auch so. Haushalt. Hausstand. Hausfrau. Eigentlich sollte es »Fancy Budgetierungstool« heißen. Aber immerhin, langsam wird die Ecke des geplanten Geldausgebens auch von den Frugalismus-Hipstern erschlossen, und wir können uns alle an der schleichenden Verschönerung der Typografie langweiliger Alltagszahlen erfreuen.

Mein erstes Kakebo war auch noch gekauft. Mein Plan war damals, ist ungefähr 2 Jahre her, ein Haushaltsbuch zu führen, aber halt kein hässliches. Ich wollte irgendwas Besonderes, und durch eloquentes Googlen bin ich auf diese Lösung* gekommen. Das ist auch ein sehr schön gemachtes Buch. Man kann das gut nutzen, es spart Zeit, es spart Geld, es hilft zu reflektieren. Aber trotzdem dachte ich mir, ich kann das halt mit Stift und Lineal selber besser. Das ist ja auch der Grund, warum ich ein Bullet Journal habe und keinen Kalender oder auch nicht mehr den »guten Plan«*. Alles hat irgendwelche Gimmicks oder kleine Überflüssigkeiten, die ich nicht will.

Hinweis: Eingebundene Verweise (Bild und *) auf amazon.de sind Affiliate-Links.

Kakebo entspannt einfach, es ist ein Abendritual

Für mich ist Geldausgaben aufschreiben auch eine Form von Selbstreflexion und Achtsamkeit. Ich mache das nicht nur zum Sparen, sondern um mich irgendwie zu »affirmieren«. Eine Art innerer Bestätigung, dass alles okay läuft. Jeden Abend nehme ich also dieses Heft und schreibe rein, und einmal im Monat kann ich dann reflektieren, wie das Budgetieren insgesamt so war. Ich halte dann zahlenmäßig fest, ob ich meine Monatsziele erreicht habe, und schreibe auch ein paar Gedanken dazu auf.

Ich habe übrigens keine konkrete Seite nur fürs Reflektieren (weekly/monthly review etc.) eingebaut bisher… das mache ich erst so nach und nach und lasse es flexibel. Im Moment finde ich es monatlich ganz gut… Ich denke auch, das ist eher individuell, genau wie bei einem Bullet Journal. Du kannst dich zum Beispiel fragen: Habe ich mich überfordert? Habe ich impulsiv irgendwelchen Mist gekauft? Wie viel Mist und warum? Und was soll besser werden?

In den Standard-Kakebos, die man kaufen kann, stehen eigentlich immer die gleichen Fragen: Was lief gut? Wo könnte ich mehr sparen? Was soll sich im nächsten Monat ändern? Aber wichtiger finde ich eigentlich, am Ende des Monats (a) ans eigene Sparziel zu erinnern und (b) drüber nachzudenken, was einem am schwersten gefallen ist beim Sparen.

Beim Haushalten mit Geld geht es nicht ums »Hungern«

Bei diesem Thema ist ja auch viel Mindset. Man muss sich erst einmal klar machen, dass ein Haushaltsbuch kein Sparbuch ist, keine Frugalismusfibel, der man 100% treu bleiben muss. Sondern es ist ein Tool, das einem hilft, einen besseren Überblick über seine Finanzen zu erlangen. Wenn man das handhabt wie jemand, der abnehmen will eine mahnende Kalorientabelle, dann macht man das Positive daran kaputt. Man kann nicht bei jeder Mahlzeit sagen: Oh, jetzt habe ich aber 5 kcal zu viel gegessen. Sondern am Ende des Tages ist wichtig: Hab ich mich mit Chips vollgestopft oder habe ich gut gegessen? Genauso ist das mit Geld auch: Habe ich mein Geld sinnvoll eingesetzt? Hat es mir weiter geholfen? Dann ist es auch nicht so dramatisch, wenn man mal etwas über dem Budget ist. Zudem muss das ja auch erst »wachsen«. Man kann nicht sofort wissen, wieviel Geld man wirklich sparen kann. Deswegen sollte man sich die ersten 1-2 Monate nicht zu viel Druck machen.

Minimalistisches Kakebo: Eintragen, ausrechnen, schön!

Mit diesen Gedanken im Kopf habe ich das Layout ganz konkret designt. Ich wollte, dass es möglichst simpel ist und nicht überladen. Und die alltägliche “Mathematik” sollte klar und schnell erkennbar sein.

Ich habe dieses ganze Kakebo auch noch mal in einem YouTube-Video erkärt, aber ich dachte, es ist ganz schön, wenn ihr die konkreten Bilder dazu sehen könnt, denn im Video muss man sonst immer hin und her springen…

Jahresübersicht

In der Jahresübersicht trage ich in Form eines Balkendiagramms meine monatlichen Ersparnisse ein. Wenn man keine Ahnung hat, wieviel man ungefähr sparen wird, ist es sinnvoll, die Skala erst nach ein paar Monaten zu fixieren und mit Bleistift zu malen, und es dann passend zu skalieren.

Kakebo Jahresüberblick über die Ersparnisse und das Sparpotential

Darunter gibt es noch eine Zahlen-Retrospektive. Da komen die Einkünfte und Sparziele rein, die dann in der dritten Spalte als Prozente erfasst werden. Bei +/- trage ich ein, ob ich das Sparziel erreicht habe oder drüber lag (+) oder ob ich Miese gemacht habe (-). Der Haken ist so eine Art »gratification« dafür, dass ich mein Sparziel erreicht habe. Wenn das nicht so ist, lasse ich ihn komplett weg. Das ist ein bisschen redundant, denn eigentlich wird es ja schon aus der +/- Spalte klar. Abe rman sieht es so einfach besser auf den ersten Blick.

Ich finde diese Visualisierung wichtig, weil ich dort noch mal schön die prozentualen Anteile sehen kann. Da kann man sich überhaupt erstmal bewusst machen, wie viel seines verfügbaren Kapitals überhaupt übrig bleibt. Das ist viel wert dafür, wenn man Sparziele hat und die eigene »Leistung« vielleicht auch mal in Relation zu Empfehlungen von Finanzexperten sehen möchte. Da heißt es nämlich oft, dass 30% eine extrem hohe Sparquote ist. Viele Frugalisten liegen da weit drüber. Als Student liegst du vielleicht deutlich drunter. Es ist einfach wichtig, sich da richtig einzuschätzen, auch, damit man sich nicht schlecht fühlt und damit man für die Zukunft realistischere Ziele setzt. Denn dann ist man nicht so enttäuscht, wenn man weniger spart als man sich erhofft hat. Man muss das einfach akzeptieren (oder eben für mehr Einkünfte sorgen). Aber man sollte wirklich an diesen Punkt mit der Akzeptanz kommen und dort anfangen, an sich und den eigenen Ansprüchen zu arbeiten…

Die Sparquote auszurechnen ist ganz einfach. Ihr müsst eigentlich nur das gesparte Kapital durch das verfügbare Kapital (also eure statischen Einnahmen minus die statischen Ausgaben) teilen und in Prozent umrechnen.

zB. wenn man 3200 € verdient, und davon nach Miete usw. 2100 € übrig bleiben, und man im Monat 500 € gespart hat, dann rechnet man:

100 % × 500/2100 = 23.8 %

(Ich betrachte % als Einheit, deswegen schreibe ich es immer mit hin, wenn ich damit multipliziere, ist ne Physiker-Angewohnheit.)

Ganz am Schluss kommt dann noch eine kleine Zusammenfassung. Da mache ich Striche, wie oft ich das Sparziel erreicht habe und am Jahresende (oder Jahresabschnittsende) rechne ich meine durchschnittliche Sparquote und die Summe des gesparten Kapitals aus. Die durchschnittliche Sparquote ist einfach:

Summe der monatlichen Sparquoten / Anzahl der Monate

Dazu schreibe ich noch die Summe der Ersparnisse, also mein gesamtes erspartes Kapital auf, welches sich aus den Sparbeträgen der einzelnen Monate ergibt. Falls ihr euch jetzt wundert, warum das Jahr jetzt hier nur bis zum Juli geht. Ich wollte gern nicht so ein dickes Buch, sondern ein schmales Heft, und habe deshalb zwei Kakebos. Ich finde es so auch ein bisschen übersichtlicher, aber ist Geschmackssache. Wenn ihr das Ding nirgendwo mit hin nehmt und gern alles in einem Heft habt, dann macht das so und verteilt es vielleicht auf zwei Halbjahresseiten, dann ist es nicht so gedrängt…

Was ich an dieser Stelle auch als hilfreiche ansehe, ist ein liniertes Heft. Also kein Dot-Grid. Das Punktgitter ist zwar schöner und als Bullet Journal-Fan mag man das irgendwie intuitiv lieber, aber man ist bei so viel schreiben und Linien ziehen echt dankbar für die Linien, die schon da sind!

Monatsübersicht

In der Monatsübersicht werden die (1) festen Einnahmen und (2) festen Ausgaben eingetragen. (Ich sage dazu auch statische Datenpunkte, sie ändern sich ja kaum oder nur selten…). Das (3) verfügbare Kapital erhaltet ihr dann aus der Differenz (2)-(1). Das ist aber noch nicht euer Budget. Das ist erst mal nur das Geld, das überhaupt da ist. Euer Budget ist das Geld, dass ihr ausgeben dürft, wollt, solllt!

Kakebo Haushaltsbuch selbst gestaltet: Monatsübersicht über die Ausgaben und Einnahmen

Es wird festgelegt, in dem man eine (4) Zielsparsumme festlegt und diese von (3) abzieht.

Ich teile das Budget dann immer noch durch die Anzahl der Tage des Monats, um mein Tagesbudget zu bekommen. Mit Hilfe dieser Zahl rechne ich dann auch das jeweilige Wochenbudget aus. Die Wochen eines Monats sind ja unterschiedlich lang, je nachdem, wann der Monat anfängt. Eigentlich gibt es nur einen einzigen Monat, der jemals die Chance auf 4 gleich lange Wochen hat, den Februar. Und wann der 1.2. mal auf einen Montag fällt, also danach richte ich mein Haushaltsbuch jetzt nicht aus.

Mich störte das an vielen kaufbaren Kakebos, dass da immer ein Wochenbudget ausgerechnet wird, aber man hier zB. für den Januar 5 Wochen annehmen würde. Damit hätte man aber in der ersten und letzten Woche viel zu viel Budget angesetzt und das mittelt sich auch nicht raus, und das ist unrealistisch. Wenn man wirklich wenig Geld hat und ein gutes Gefühl dafür bekommen will, sollte man auch auf solche Details achten, finde ich. Es ist überhaupt ein krasses Gefühl, sich mal bewusst zu machen, wie viel man eigentlich pro Tag theoretisch ausgeben dürfte, egal wieviel man verdient.

In der Praxis ist es ja eher so, dass man halt den einen Tag weniger Geld, den anderen mehr ausgibt. Also ich hoffe jedenfalls für euch, dass ihr euch nicht Tagessätze gebt und dann darben müsst… So ist das nicht gedacht. Auch von Woche zu Woche sollte man nicht so denken. Aber: Einen wichtigen Grundsatz gibt es hier trotzdem – Gib nicht das Geld aus, das du noch nicht »reingespart« hast. Nach dieser Regel gönne ich mir meine Wünsche, für die ich spare, auch immer erst am Ende des Monats.

Apropos Wünsche. In dieser Ansicht gibt es auch noch ein bisschen Platz für Achtsamkeit. Ich dachte mir, es ist schön, aufzuschreiben wofür man denn spart. Das ist auch in vielen käuflichen Kakebos vorgesehen und ein guter Motivator. Links daneben habe ich auch einen kleinen Kalender. Der hilft mir, den Monat besser abzuschätzen. Wie viel werde ich arbeiten müssen? Wie oft muss ich unterwegs essen? Gibt es Feiertage, an denen Reisen bevorstehen? Vielleicht sollte ich hier sogar noch etwas mehr Platz für Pläne machen… aber da ich ja auch noch ein Bullet Journal habe, ist das nicht ganz so wichtig für mich.

Am Schluss trage ich dann noch die Bilanz ein. Das mache ich aber erst am Ende des Monats. Ich ziehe dafür alle variablen Ausgaben und vom Budget ab.

Bilanz = Budget + variable Einnahmen – Ausgaben

Ist das gleiche, wie alle Ausgaben und Einnahmen gegenüber zu stellen, aber das haben wir ja vorher schon ausgerechnet, also warum doppelte Arbeit machen, ne?

Ein »experimentelles Feature« meines Kakebos ist das sog. Sparpotential. In dieser letzten Zeile möchte ich Impulskäufe besser verstehen. Wenn ich mal hier und da Essen unterwegs kaufe oder mir Sinnloses gönne, dann highlighte ich das in der Wochenansicht (s.u.) und fasse es später als monatliche Summe auf. Ich will einfach ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Geld da verloren geht…

Wochenübersicht

Kakebo Haushaltsbuch selbst gestaltet, Wochenansicht

Die Wochenansicht ist irgendwie das Herzstück des ganzen Haushaltsbuchs. Es ist das, wo man täglich rein schreibt, rein schaut… Was mich hier an kommerziellen Kakebos gestört hat, war, dass es immer keine variablen Einnahmen gab. Ich verkaufe aber oft mal was auf Kleiderkreisel oder ebay Kleinanzeigen. Das möchte ich ja irgendwo dazu schreiben. In meinem gedruckten Kakebo habe ich es dann einfach so gemacht, dass ich die letzten Zeilen dazu genutzt habe. Hier werde ich das auch so machen. Ich fange also von unten nach oben an und trage meine Einnahmen ein, wenn ich welche habe.

Ansonsten ist die Wochenansicht eigentlich ziemlich selbsterklärend. Oben rechts seht ihr hier noch einen kleinen Code:

W1 / 5 / KW 1

Das heißt nur Woche 1 von 5 und Kalenderwoche 1 des Jahres. In dem Buch, das ich gekauft habe, war dieser Platz wohl fürs Datum gedacht. Keine Ahnung, wer so Tagebuch schreibt, ich nicht, aber okay… Die linke Seite hab ich dazu genutzt, einfach den ersten Tag der jeweiligen Woche als Datum einzutragen. Eigentlich ganz sinnvoll… auch das wird layoutunabhängigkeit so bleiben, denke ich…

Kakebo Haushaltsbuch selbst gestaltet, Wochenansicht Detail

Die Wochenansicht ist wie gesagt ziemlich intuitiv. Links trägt man Kategorien für Einkäufe ein. Also nicht die einzelnen Käufe – das könnte man auch machen, aber manchmal kauft man ja zB 3×am Tag etwas zu Essen, dafür möchte ich nicht 3 Zeilen verschwenden. Statt dessen hebe ich meine Bons auf oder notiere es am Rand des Tages in meinem Bullet Journal und trage abends nur noch die Summe ein, zB in einer Zeile namens »Essen to go«.

In der untersten Zeile trägt man außerdem die jeweilige Tagessumme ein. Also wie viel man an diesem Tag in der Bilanz ausgegeben (oder auch eingenommen) hat.

Durch diese Darstellung kann man auch Ereignisse korrelieren und einfach besser verstehen, warum man Geld ausgibt. Gibst du zB. immer mehr an Wochentagen aus – oder am Wochenende? Dann siehst du es in den Tagessummen sofort. Jetzt guckst du nach, wofür das meiste drauf ging. Wenn du dann zB. erkennst, dass du an diesem Tag wieder to go Essen gekauft hast, weil du an der Uni warst, ist klar, das zB. eine Sparmöglichkeit wäre, sich das Brot mal selber zu schmieren.

Das ist jetzt ein banales Beispiel, aber so ist das oft. Manchmal ist es auch subtiler. Wenn man vielleicht am Wochenende immer einsam ist und dann online shoppt, dann sieht man das hier auch. Jedenfalls ist diese Art der doppelten Summierung echt ganz gut, um sowohl zeitliche als auch inhaltliche Geldströme besser zu verfolgen.

Wenn du dein Kakebo konsequent nutzt, kannst du leicht feststellen, wo dein Geld bleibt, und dich dabei auch in Achtsamkeit üben. Und auch, wenn es mal eine Woche nicht läuft, ist es einfach, wieder einzusteigen, denn du kannst mit dem Wochenbudget arbeiten. Weißt du, wie viel du ungefähr in einer ausgelassenen Woche rausgehauen hast? Überschlage es einfach und rechne eben grob mit dieser Zahl. Das macht gar nichts. – Es geht nicht um Perfektion. Es geht darum, ein Gefühl für Geld zu bekommen.

Und das war’s. Nice, oder? Wie cool ist es eigentlich, dass da dieser 30%-Aufkleber drauf klebt? Ich habe den dran gelassen, weil er so passend ist…

You may also like

Leave a Comment