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Ein Beitrag – nicht für mich

by Undine Almani
Foto wie ich eine nachdenkliche Pose mache

Ein Text für alle, die gerne mal wieder was von mir lesen wollen. Also nicht für mich, sondern für euch.

Ein Blog ist ein seltsames Medium. Persönlicher als ein Magazin, aber zu chic für ein Tagebuch. Was bist du? Eine Sammlung von Texten, Erinnerungen, Bildern? Ich sage auch nie Blog, obwohl WordPress ein Blogdienst ist. Ich sage Homepage. Vielleicht kommt das aus den Neunzigern. Da hatte man eine Homepage, Blogs gab es nämlich nicht. Als sie entstanden, fand ich sie lange seltsam, und als mir auffiel, wie nah das Ganze in manchen Bereichen an Journalismus heran kam, noch seltsamer. Aber es ist Unsinn, den Kopf zuzumachen, Blogs sind Blogs. Und Blogartikel sind Artikel. Trotzdem ist für mich ein großer Unterschied, dass es alles primär mir selbst dient. In allem, wirklich allem, was persönlicher ist, verarbeite ich Erlebtes oder halte es einfach fest. Weil ich keine andere schön genuge Stelle sehe, an der ich es möchte.

Nein, ich finde es nicht gut genug, Fotos meines Kindes in einem Fotoalbum im Regal oder dämlicher noch, auf der Festplatte wortwörtlich herumliegen zu haben. Und wenn ich es schaffe, etwas Brauchbares zu nähen, dann möchte ich das meinen Online-Freunden zeigen. Ja, irgendwelchen Fremden. Für Anerkennung? Keine Ahnung. Manchmal, glaube ich, nur für die Ästhetik sogar. Oder für den Prozess des Machens. Fotos bearbeiten ist entspannend für mich. Ich denke, oft steckt wirklich nicht mehr dahinter als das.

Die Ästhetik verlangt mir aber auch eine gewisse Perfektion ab und das ist der Grund, warum hier so wenig steht. Obwohl diese Seite mit dem Wunsch entstanden ist, endlich mehr zu schreiben und das eben self-titled unter diesem Namen, den es jetzt auch schon einige Jahre gibt, habe ich mich nicht an meine Ziele gehalten. Es war mir einfach zu viel.

Das aber ist genau das, was mich an der Inkongruenz von Reallife und Internet stört. Mein Internetleben ist nicht schöner als mein echtes. Im Gegenteil. Mein Internetleben ist ein winziger Bruchteil und ich ärgere mich ständig, dass ich nicht mehr von den Ideen, Taten und coolen Sachen, die wir gemacht haben, festhalten kann. Ich habe keine fear of missing out, weil ich eigentlich genau so viel mache, wie ich schaffe. Und dabei fallen Instagram, Blog und andere Projekte meistens hinten runter.

Denn die sind nicht mein Job, nicht bezahlt, nicht meine Zukunft. Ich habe keinerlei Interesse daran, mit meinem Blog Geld zu verdienen. Auch nicht mit meiner anderen Plattform, wo es um Öko-Themen geht. Ich habe das angefangen, weil ich möchte, dass es als nützliches Projekt wächst und das war’s. Wenn dabei Werbekosten reinkommen, ist das vielleicht irgendwann mal Kostendeckung, ist aber im Moment nicht interessant.

Viel wichtiger wäre mir, endlich an diesen Punkt zu kommen, an dem mein Internetleben mithalten kann mit der Geschwindigkeit meines echten Lebens. Oder die Akzeptanz zu finden, dass das nie passieren wird. Dass viel mehr Beiträge noch ungeschrieben oder unveröffentlicht bleiben werden, als ich wahr haben will. Das ist auch nicht schlimm, wenn man ignorant bleibt und sich selbst genug ist. Aber das bin ich nicht. Ist nicht mein Ding. Ich sehe, was Andere machen und ich sehe es mit teilweise Bewunderung, oder auch Respekt. Und oft denke ich: Oh Mann, das würde ich auch gern schaffen, aber es ist einfach nicht genug Zeit übrig. Das frustriert und das ist normal. Und das Einzige, was dagegen hilft, ist immer wieder weniger vielversprechende Sachen hinten runterfallen zu lassen. Vielleicht werde ich deshalb diesen Blog irgendwann komplett auflösen. Oder aber den Focus ändern.

Eins ist allerdings klar. Ich möchte mich nicht in diese Spirale maximaler Nischigkeit begeben. Ich will keinen Nähblog, DIY-Blog oder irgendsoeine andere, perfekt abgegrenzte Blase. Denn das ist auch nicht das, was ich an anderen Blogs toll finde – also warum sollte ich es  selbst wollen? Die Frage danach stellt sich überhaupt nur, weil es vom Standpunkt des Social Media Marketings dumm ist, ein breit gefächertes Angebot zu haben. Besser ist es, sich einzuschränken und ein Thema zu haben. Wenn ich das lese, kriege ich allerdings immer ein bisschen das Kotzen. Denn nichts ist weiter weg von dem, was ich bin. Ich meine, ich versuche doch nicht, mein Leben mit ganz vielen verschiedenen schönen Dingen zu füllen und im Internet zeige ich dann nur das eine, was gut Klicks gibt. Das ist doch degeneriert. Ich persönlich finde ja auch andere Menschen interessant. Mit einem tollen Thema kann man keinen Kaffee trinken gehen. Und ein tolles Thema bringt auch nicht mein Kind zum Lachen. Ich finde es im sogar oft schade, wenn man zB. auf Nähblogs nie liest, was die Leute sonst noch so machen. Wenn alles so super schön clean und nicht zu unprofessionell und privat ist. Nur: Dann unterscheidet den Blog ja nichts mehr von einem kommerziellen Schnittmusterstudio, wie es sie bereits in Massen gibt.

Insofern zünde ich hier eine Kerze an für all die Blogs, die im Sterben liegen, weil Menschen nur Perfektes teilen möchten und – wie ich – nicht können, weil das Leben es einfach nicht hergibt. Mir geht es auch so, Leute. Und außerdem möchte ich einfach keinen halbherzigen Scheiß von mir geben. Aber: im Sinne des Mutes, hier, das war mein lauwarmer Gedankensalat. Es ginge also. Ich kann auch, wenn ich mich dazu zwinge, einfach irgendwie schreiben. Angebrochene Gedanken und dann nicht mehr hin gucken. Ich denke, es wird aber – außer ich bekomme ausdrückliche Wünsche von euch nach mehr – nicht so bald wieder passieren, weil es sich nicht besonders gut und produktiv für mich anfühlt.

Und eine Bitte noch: Bitte antwortet doch nicht auf Instagram auf solche Blogbeiträge. Der ganze Gag an der Geschichte ist ja, dass ich meine Inhalte auf meiner Seite habe, und dazu gehören auch die Diskussionen. Wenn das ausgelagert wird, kann niemand mehr daran teilhaben, sobald der Beitrag ein paar Tage alt ist, und der Gedanke ist kaputt. Also, wenn ihr das Bedürfnis habt, etwas zu sagen, dann macht es doch hier – es ist denkbar easy – und macht das Internet wieder zu einem Ort, an dem Inhalte nicht zentralisiert und kommerzialisiert sondern personalisiert und diversifiziert werden. All das zieht die Blogkultur runter und macht es schwer, sich wirklich gut auszutauschen.

Mein Plan übrigens für diesen Blog ist, auf Dauer wieder wirklich was zu sagen (klingt pompös, sorry). Aber im Moment habe ich einfach nichts (seht ihr, schon weniger pompös!). Ich habe nichts zu sagen, was nicht entweder besser ins o.a. Side Project passen würde (zerowaste, lowwaste, öko, DIY), oder mir fast schon zu persönlich wäre (Kind, Studium, Ängste, Geburt, Familie, Stress und Kunst – ja, ich zeichne). An Themen mangelt es jedenfalls nicht. Mein Problem ist meine Entscheidungsunfähigkeit dazu, was das hier sein soll, was sich richtig anfühlt… Mein anfänglicher Wunsch war, es professioneller zu machen, und prosaischer. Aber irgendwie bin ich damit auch nicht zufrieden und eine neue Richtung ist mir einfach noch nicht eingefallen. Falls das passiert, werdet ihr es aber bestimmt mitbekommen! Und ja, vielleicht nehme ich mir den Mut und das Herz und mache es wieder persönlicher, wenn ich merke, dass das eine gute Sache ist…

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2 comments

Marita 11. November 2019 - 22:46

Du willst einen Kommentar? Du kriegst einen Kommentar. 🙂 Danke für diesen erfrischenden Beitrag! Ich kann dein Schwanken zwischen persönlichem und perfektem Inhalt gut nachvollziehen. Ich lese gerne deine präzise und spitz formierten Beiträge und muss auch manches Mal laut auflachen. Deine Mühe lohnt sich also! Für mein Tun habe ich irgendwann habe ich irgendwann den Begriff „Schönheit des Unperfekten“ gefunden: Manchmal sind eben auch 80% okay. Wichtiger als das Ergebnis, ist das Machen.
In diesem Sinne: Mach’s gut! 🙂
Marita

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Undine Almani 11. November 2019 - 22:38

Danke dir. War früher etwas in der Kunstszene zu Hause und da war es die »Schönheit des Hässlichen«. Wobei ich kaputte Häuser und Menschen mit Flecken im Gesicht nie »hässlich« fand. Aber das ist ähnlich. Ich liebe auch einfach Internet-Darstellungen mit ehrlichen Anteilen von ganz normaler Müdigkeit und Kaputtheit.

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